Yoga Sutra 1.28 Bedeutung: Wiederholung & Absorption von OM
- Shahid Khan - Yogveda Yoga

- 23. Juli
- 3 Min. Lesezeit

तज्जपः तदर्थभावनम् ॥ १.२८ ॥
Transliteration: tajjapaḥ tadartha-bhāvanam
Präzise Übersetzung: "Die Wiederholung von OM muss geschehen, während man sich kontinuierlich in seine wahre kosmische Schwingung und Bedeutung einfühlt und von ihr durchdringen lässt."
1. Was ist reales Japa? (Mehr als papageienhaftes Nachplappern)
In modernen Praxisformen wird das Wort Japa oft fälschlicherweise darauf reduziert, Perlen auf einer Mala zu zählen oder Silben papageienhaft zu wiederholen. Während der Mund OM formt, wandern die Gedanken im Hintergrund weiter zu den alltäglichen To-Do-Listen, finanziellen Sorgen oder Arbeitsstress.
Patanjali stellt im Yoga Sutra 1.28 unmissverständlich klar: Mechanische Wiederholung erzeugt keinerlei innere Transformation.
In der klassischen Yoga-Wissenschaft geht es bei Japa weder um stimmlichen Lärm noch um gedankenloses Mitzählen. Es ist die operative Handlung, eine präzise kosmische Frequenz ohne Unterbrechung im Bewusstsein aktiv zu halten. Indem Sie die Schwingung von OM kontinuierlich aufrechterhalten, schließen Sie genau jene mentalen Lücken, in die sich unruhige Gedanken, Ängste und das alltägliche Ego-Rauschen sonst einschleichen.
2. Die Kernanforderung: Tadartha-Bhāvanam (Die kosmische Schwingung absorbieren)
Patanjali koppelt die Wiederholung (Japa) an eine fundamentale Bedingung: Tadartha-Bhāvanam.
Tat (तत्): „Das“ – bezogen auf Īśvara und seine direkte, akustische Manifestation OM.
Artha (अर्थ): Die wahre Bedeutung, die Realität und der kosmische Bauplan hinter der Schwingung.
Bhāvanam (भावनम्): Das Einsaugen, Durchdrungen-Werden oder das vollständige Verschmelzen des eigenen Zustands mit dieser Realität.
Wenn Sie Japa praktizieren, sagen Sie nicht einfach zwei Buchstaben auf. Sie richten Ihr Bewusstsein gezielt auf die 5 kosmischen Dimensionen von OM aus, die wir im vorherigen Sutra (1.27) etabliert haben:
Die kosmische Explosion: Sie spüren die Schwingung als die originale Energiewelle des Urknalls, die die gesamte Schöpfung entzündet hat.
Der universelle Atem: Sie erfahren die Welle, die das Universum ausdehnt und schließlich wieder in das kosmische Ei (Garbhāṇḍa) zurückzieht.
Die unmanifestierte Quelle (Nirguna): Sie nutzen die Frequenz als physische Brücke, um die geburts- und todlose Stille des reinen Bewusstseins zu berühren.
Der ungeschlagene Klang (Anāhata): Sie folgen der Resonanz in die vibrierende Stille hinter dem Lärm – wie dem nachklingenden Summen einer Kirchenglocke auf einem stillen Hügel.
Die innere Meister-Stimmgabel: Sie erlauben der Frequenz, Ihre biologischen Zellen zu durchdringen, zellulären Stress abzubauen und Ihr Nervensystem auf seine gesunde Null-Punkt-Matrix einzustellen.
3. Die Praxis im Alltag: Mache jeden Ausatem zu einem OM
Stellen Sie sich vor, Sie sitzen friedlich am Ufer der türkisgrünen Aare in Bern. Das Wasser fließt stetig, die historische Kulisse strahlt Ruhe aus. Wie praktizieren Sie Tadartha-Bhāvanam an diesem Ort?
Sie sitzen aufrecht. Bei der Einatmung nehmen Sie die Stille der Natur auf. Bei der Ausatmung lassen Sie den Klang oder das mentale Summen von OM durch Ihren gesamten Brustkorb, Ihre Kehle und Ihr Gehirn vibrieren.
Sie beobachten den Klang nicht mehr als distanzierter Zuhörer. Die Schwingung breitet sich in Ihren Zellen aus, fließt virtuell in das Wasser der Aare und löst die Grenze zwischen Innen und Außen auf. Sie hören auf, „OM zu chantet“ – Sie werden zur Schwingung von OM.
4. Der Dialog: Von leerem Lärm zur lebendigen Resonanz
Schüler: „Master Khan, in Sutra 1.27 haben wir gelernt, dass Īśvara OM ist – die Schwingung des Urknalls. Nun fordert uns Sutra 1.28 auf, es zu wiederholen (Japa). Bringt es wirklich etwas, ein Wort ständig zu wiederholen?“
Master Khan: „Wenn du OM tausendmal mechanisch aufsagst, während du im Kopf deine Einkaufsliste durchgehst oder deinen Nachbarn verurteilst, erzeugst du nur weiteren Lärm. Leeres Nachplappern verändert gar nichts.“
Schüler: „Was verwandelt gedankenlose Wiederholung in echtes Japa?“
Master Khan: „Patanjali nennt es Tadartha-Bhāvanam – das vollständige Aufsaugen der Schwingung hinter dem Klang. Wenn du OM intonierst, bleibst du nicht an den Stimmbändern hängen. Du spürst, wie die Resonanz durch deinen Brustkorb und dein Nervensystem vibriert und dein Bewusstsein direkt in die Stille des Universums trägt. Erinnere dich an die Kirchenglocke: Der Anschlag ist nur der Anfang; das verbleibende Summen führt dich in die lebendige Stille.“
Schüler: „Ich nutze den Klang also als Fahrzeug, um mich in der ursprünglichen Stille aufzulösen?“
Master Khan: „Exakt. Die Schallwelle ist das Fahrzeug; das vollständige Eintreten in das unkonditionierte Bewusstsein ist das Ziel. Du lässt die kosmische Frequenz von OM jede deiner Zellen durchdringen, bis das innere Rauschen vollkommen verstummt. Mache jeden Ausatem zu einem OM.“
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Author, Meister Shahid Khan




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