Die Anatomie des Geistes: Die 5 Arten von Gedanken (Sutra 1.6)
- Shahid Khan - Yogveda Yoga

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प्रमाणविपर्ययविकल्पनिद्रास्मृतयः ॥ १.६ ॥
Transliteration: pramāṇa-viparyaya-vikalpa-nidrā-smṛtayaḥ
Übersetzung: "Die fünf Arten von Gedankenwellen sind: richtiges Wissen, falsches Wissen (Irrtum), Einbildung, Schlaf und Erinnerung."
Das ultimative Ablagesystem
Die meisten Menschen fühlen sich von ihrem Geist überfordert, weil er sich wie ein endloses Chaos anfühlt. Wir haben etwa 60.000 Gedanken am Tag, die uns in tausend verschiedene Richtungen ziehen.
In Sutra 1.6 tritt Patanjali als der ultimative Psychologe auf. Er sagt uns: Es ist kein Chaos. Es gibt eine strikte Struktur. Betrachten Sie das Bild oben. Meister Khan sitzt am Wasser, und auf der Oberfläche gibt es genau fünf verschiedene, farbige Wellen. Patanjali stellt fest, dass jede einzelne geistige Regung, die Sie je erlebt haben – vom tiefsten Kindheitstrauma bis zum Einkaufszettel, von den wildesten Träumen bis zum schärfsten Fokus – nur eine dieser fünf Wellen ist:
Pramana: Richtiges Wissen (Die Realität genau so sehen, wie sie ist)
Viparyaya: Falsches Wissen (Irrtum / Die Dinge falsch sehen)
Vikalpa: Einbildung (Gedanken basierend auf Worten ohne physische Realität)
Nidra: Traumloser Schlaf (Der Gedanke des "Nichts")
Smriti: Erinnerung (Die Vergangenheit wiedererleben)
Wir werden diese Wellen in den kommenden Wochen einzeln tiefer betrachten. Aber für heute ist die Erleichterung einfach das Wissen um die Struktur selbst. Sobald Sie die Kategorien kennen, ist der Geist kein unzähmbares Monster mehr, sondern ein Mechanismus, den Sie verstehen können.
Die Frage: Wer hält das Werkzeug?
In Sutra 1.5 haben wir gelernt, dass Gedanken entweder schmerzhaft (Klishta) oder friedvoll (Aklishta) sind. Wir geben oft unserer Erinnerung die Schuld an unserer Traurigkeit oder unserer Einbildung die Schuld an unserer Angst. Aber die fünf Kategorien selbst sind neutral. Sie sind nur Werkzeuge.
Stellen Sie sich heute diese Frage:
"Wenn mir heute ein Gedanke Schmerzen bereitet, gebe ich dann dem Gedanken selbst die Schuld, oder schaue ich mir an, wie ich ihn benutze?"
Der Dialog: Der Raum zwischen den Atemzügen
Schüler: "Meister, ich verstehe, wie eine Erinnerung oder eine Illusion Schmerz verursachen kann. Aber was ist mit Nidra? Traumloser Schlaf hat keine Bilder und keine Träume. Ist er nicht einfach... nichts? Wie kann 'nichts' ein Gedanke sein, und wie kann es schmerzhaft sein?"
Meister Khan: "Es ist nicht nichts. Es ist die Erfahrung des Nichts. Denk an deinen Atem. Du atmest ein und du atmest aus. Das sind deine aktiven Gedanken – deine Erinnerungen, deine Vorstellungen. Aber was passiert ganz am Ende der Ausatmung, kurz bevor die nächste Einatmung beginnt?"
Schüler: "Es gibt eine Pause. Einen Raum, in dem der Atem anhält."
Meister Khan: "Genau. Du atmest nicht, aber du bist dir der Pause trotzdem bewusst. Nidra ist die Pause zwischen den aktiven Gedanken des Tages. Der Geist erfährt seine eigene Stille."
Schüler: "Aber wie kann dieser Raum des Nichts schmerzhaft oder friedvoll sein?"
Meister Khan: "Wenn du deinen Atem aus Panik oder Angst anhältst, ist diese Pause erstickend, schwer und erschöpfend (Klishta). Das ist der Schlaf der Depression, Faulheit und Vermeidung. Du wachst stumpf auf. Aber wenn dein Atem während tiefer Entspannung natürlich pausiert, ist dieser Raum erholsam, klar und zutiefst friedvoll (Aklishta). Der Raum selbst ist neutral. Wie du ihn betrittst, macht ihn zu einem Gift oder einer Medizin."
Ihre Praxis: Der Sortierer
Im Laufe Ihres Tages, ob während Ihrer körperlichen Praxis oder im stressigen Straßenverkehr: Bekämpfen Sie den Gedanken nicht. Benennen Sie ihn einfach. Ist es eine Erinnerung? Ist es Einbildung? Den Gedanken in seine richtige Kategorie einzuordnen, ist der erste Schritt, um Ihre Macht zurückzugewinnen.
Author, Meister Shahid Khan




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