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Der Zuschauer und das Schauspiel: Das Wahre Selbst sehen (Sutra 1.3)

Wenn die Wellen des Geistes sich legen, offenbart sich der Seher. Wie der See den Berg spiegelt, so spiegelt der stille Geist die Seele.
Wenn die Wellen des Geistes sich legen, offenbart sich der Seher. Wie der See den Berg spiegelt, so spiegelt der stille Geist die Seele.

तदा द्रष्टुः स्वरूपेऽवस्थानम् ॥ १.३ ॥ Transliteration: tadā draṣṭuḥ svarūpe-'vasthānam Übersetzung: "Dann ruht der Seher in seiner eigenen Natur."


Der Staub legt sich


Letzte Woche, in Sutra 1.2, haben wir die Arbeit definiert. Wir haben gelernt, dass Yoga der Akt ist, das "Gedankenfeld" daran zu hindern, zu schwanken. Jetzt, in Sutra 1.3, gibt uns Patanjali die Belohnung. Er sagt uns, warum wir die Arbeit tun.

Betrachten Sie das Bild oben. Meister Khan steht in Vrikshasana (Baumhaltung). Weil das Wasser des Sees vollkommen still ist, ist das Spiegelbild makellos. Man kann jedes Detail des Berges und des Mannes erkennen. Aber was passiert, wenn man einen einzigen Kieselstein in diesen See wirft? Das Wasser kräuselt sich. Das Spiegelbild verzerrt sich. Der Berg wird zu einem welligen, unerkennbaren Chaos.


Du bist nicht der Film, du bist nicht der Zuschauer

Dieses Sutra führt ein kritisches Konzept der Yoga-Philosophie ein: Der Seher (Drashtu).

Die meisten von uns leben ihr Leben als Schauspieler: "Ich bin wütend", "Ich bin müde". Manche versuchen, sich zu distanzieren und werden zum Zuschauer. Sie lehnen sich zurück und beobachten ihr Leben, aber sie sind immer noch verstrickt. Wie jemand im Kino essen sie das Popcorn, weinen, wenn der Held stirbt, und fiebern bei der Action mit. Der Zuschauer ist immer noch im Drama verloren.

Patanjali verlangt mehr. Er sagt, du musst der Zeuge sein. Der Zeuge beobachtet die Leinwand, weiß aber, dass er nicht die Leinwand ist. Der Zeuge ist wie der Spiegel selbst: Er reflektiert das Feuer, aber er wird nicht heiß. Er reflektiert das Eis, aber er wird nicht kalt. Er bleibt unverändert durch das, was er sieht.


Der Dialog: Der saubere Spiegel

Schüler: Meister, ist es nicht kalt, nur ein Zeuge zu sein? Nichts zu fühlen?

Meister Khan: Du verwechselst Losgelöstheit mit Gleichgültigkeit. Der Spiegel lehnt das Spiegelbild nicht ab; er akzeptiert es vollkommen. Aber er wird nicht zu ihm.

Schüler: Also kann ich Wut spüren, ohne wütend zu sein?

Meister Khan: Genau. Der Zuschauer sagt: "Ich bin wütend." Der Zeuge sagt: "Da ist Wut." Wenn du in deiner eigenen Natur (Svarupe) ruhst, bist du der Himmel, der die Wolken vorbeiziehen sieht. Du bist nicht das Wetter.


Die Reflexion: Wer schaut zu?

Diese Woche bewegen wir uns von der Beobachtung zur Identifikation.

Ihre Aufgabe für heute: Wenn in Ihrer Praxis oder im Alltag eine starke Emotion aufkommt, fragen Sie sich:

"Bin ich der Schauspieler, der Zuschauer oder der Zeuge?" Der Schauspieler reagiert. Der Zuschauer urteilt. Der Zeuge sieht einfach.

Vertiefen Sie Ihre Vision

Die Philosophie erklärt das Ziel; die Praxis reinigt den Spiegel.



 
 
 

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